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Teetime

Posted on by Suzi

Sollte ich dieser Einladung wirklich folgen? Holger schalte endlich deinen Verstand aus, tadelte ich mich und spürte leise ein Kribbeln im Bauch. Was soll schon passieren, deine Nachbarin lädt dich ein und du hast dich den ganzen Tag darauf gefreut.„Stimmt, was soll schon passieren“, murmelte ich vor mich hin, zog den Schlüssel aus der Tasche und öffnete die Haustür. Mechanisch schaute ich in den Briefkasten. Sollte ich meinen Mantel erst in die Wohnung bringen? Mich frisch machen, umziehen, die Tasche abstellen?„Kommen Sie, Herr Feddersen, ich habe frischen Tee aufgebrüht“, sanft und melodisch erklang Maria Schneiders Stimme im Treppenhaus und riss mich aus meinen Überlegungen. „Sie trinken doch Tee?“„Äh, ja“, stotterte ich. Was machte ich da? Ich verabscheute Tee, dieses wässrige Getränk, das die Engländer zu jeder Tages- und Nachtzeit zu sich nahmen. „Ja natürlich, ich liebe Tee!“Holger Feddersen, schimpfte ich innerlich, was redest du da für einen Unsinn? Ach, halt den Mund, schalt ich meinen Verstand. Schon vergessen? Ich bin bald im Ruhestand und da darf ich meine Prinzipien ruhig über Bord werfen. Und außerdem, hast du diese liebliche Stimme gehört? Da kann ich einfach nicht widerstehen.Mit diesen Gedanken hatte ich Stufe für Stufe die Treppen in den zweiten Stock genommen. Die Tür stand offen, Maria Schneider, war wieder in die Wohnung zurückgegangen. Sollte ich …

Bevor die spannende Geschichte weitergeht, will ich kleine "Werbung" machen. Und zwar geht es um Almased - bekannten Shake zum Abnehmen. Nach vielen Tests und der ausführlichen Information auf der Almatest Seite habe ich dieses Produkt gekauft. Ich habe wirklich abgenommen und kann Almased jetzt weiterempfehlen. Nun zur unseren Geschichte.

„Kommen Sie doch herein Herr Feddersen, legen Sie ab und machen Sie es sich im Wohnzimmer bequem. Ich bin gleich bei Ihnen.“ Scheinbar kam die Stimme aus der Küche, sie hörte sich gedämpft an. Konnte diese Frau durch die Wände sehen? Hatte sie mein Zögern bemerkt? Ich gab mir einen Ruck und betrat voller Neugier die Wohnung. Gleich neben der Tür konnte ich meinen Mantel an die Garderobe hängen. Meine Aktentasche stellte ich darunter auf den Fußboden. Ich wusste, wo das Wohnzimmer war, konnte mich aber nicht entschließen, es zu betreten.„Na, was ist? Wollen Sie nun kommen?“„Ja, ich …“, wie schön sie ist, dachte ich, umgeben von einem Strahlen schien sie im Flur zu schweben. Stundenlang könnte ich sie betrachten und wieder erhob sich ein Schwarm Schmetterlinge in meinem Bauch und schwang sich zum Höhenflug auf. Sie hatte die Tür zum Wohnzimmer geöffnet und das warme Licht der Deckenlampe hüllte sie ein. Plötzlich strich mir etwas am Hosenbein entlang. Ich blickte nach unten.„Hallo du kleiner Stubentiger“, lockte ich Othello, der mich aus meiner Verlegenheit erlöste, und streichelte ihm sein samtenes Fell.„Ich hoffe, Sie haben Ihren Schrecken von heute Morgen überwunden?“ Maria, so nannte ich sie inzwischen im Stillen, lud mich mit einer Geste ins Wohnzimmer ein.„Entschuldigen Sie die Unordnung. Es ist noch nicht alles ausgepackt.“ Eine leichte Röte überzog ihr Gesicht und sie erschien mir noch schöner in diesem warmen Licht des Zimmers. „Hauptsache, die Möbel stehen“, lachte sie. „Ich hole nur den Tee. Nehmen Sie doch bitte Platz“, sagte sie im Hinausgehen.

Neugierig blickte ich mich um. Unordnung, ha, so schlimm ist es doch gar nicht, dachte ich. Schließlich ist sie erst seit zwei Tagen hier. Ich ließ meinen Blick langsam durch das Zimmer schweifen. Eine Wand wurde von einem Bücherregal beherrscht, das bis unter die Decke reichte. Ich entdeckte unter den Klassikern Goethe, Schiller und Eichendorff, ein paar russische Schriftsteller wie Tolstoi, Dostojewski und Solschenizyn. Ja, der durfte nicht fehlen. Ein Buch aus den 70-igern, „Der Archipel GULAG“, hat damals viel Aufsehen erregt und steht sogar in meinem bescheidenen Bücherregal. Dann entdeckte ich Bildbände und Reiseführer zu den exotischsten Zielen der Erde: China, Nepal, Thailand, Fidschi-Inseln, Afrika, Vietnam. Ich kam mir klein und unbedeutend vor. Maria hatte die Welt gesehen und ich nur mein kleines Büro und meine Wohnung. Ich riss meinen Blick los und ließ ihn zur nächsten Wand gleiten, der mit dem großen Fenster, hinter dem Maria auf mich gewartet hatte. Mir wurde warm ums Herz. Da stand mein Lieblingstier, eine Giraffe, die fast bis an die Decke reichte, und schaute aus seinen dunklen, hölzernen Augen auf mich herab. Auf der anderen Seite des Fensters hingen verschiedene Masken. Die beiden anderen Wände waren mit stilvollen Möbeln bestückt, die eher in ein englisches Cottage gepasst hätten.„Sie stehen ja immer noch“, lächelnd schalt Maria mich.Wie lange stand sie schon hinter mir? Hat sie mich beobachtet? Mir steigt das Blut ins Gesicht und verlegen setze ich mich in einen der dunklen Ledersessel.„Sie haben viel von der Welt gesehen, Frau Schneider.“„Ich war mit meinem Mann oft im Ausland, er war Diplomat.“„Ach“, es passte mir gar nicht, dass sie von einem anderen Mann sprach. War ich eifersüchtig?

Holger ermahnte ich mich, du kennst die Frau doch gar nicht. Und schließlich ist sie auch nicht mehr die Jüngste. Warum soll sie nicht einen Mann gehabt haben? Oder hatte sie ihn noch? Verwirrt griff ich zu meiner Teetasse und nippte an dem heißen Getränk, versuchte, mich hinter der Tasse zu verstecken.„Und diesmal ist Ihr Mann alleine ins Ausland gegangen?“, krächzte ich und wäre am liebsten im Boden versunken, so plump klang die Frage in meinen Ohren. „Entschuldigen Sie, das geht mich natürlich nichts an.“„Ist schon gut“, Maria lächelte, „mein Mann ist vor zwei Jahren gestorben.“„Das tut mir leid.“ Wie machte sie es bloß, dass sie beständig diese Ruhe ausstrahlte und immer freundlich blieb, während ich von einem Fettnäpfchen ins nächste stolperte. Was sage ich, Näpfchen, Töpfe sind es. Es war mir so peinlich. Ich nahm meine Teetasse und beobachtete über den Rand diese erstaunliche Frau, die mir gegenübersaß. Othello hatte es sich auf ihrem Schoß bequem gemacht und wurde liebevoll gestreichelt. Wie gerne würde ich mit ihm tauschen. Ich seufzte, und erschrocken begann ich zu husten. Hoffentlich hatte Maria nichts gemerkt und hoffentlich spürte sie nicht meine Gedanken. Ich machte mich gerade zum Idioten. Was fiel mir denn da ein? Ich wollte mit einem Kater tauschen. Herrje, was ist bloß mit mir los. Ich fühle mich so wohl wie schon lange nicht mehr. Aber, welchen Eindruck muss ich nur auf Maria machen? Erst die Blamage heute Morgen im Treppenhaus und jetzt beim Tee zeige ich mich nicht von einer ansprechenden Seite. Wahrscheinlich ist sie froh, wenn sie mich wieder los ist.

Dabei liebe ich sie. Verwirrt unterbrach ich meine Gedanken. Was war das denn jetzt. Na klar, mein Bauch hat gesprochen, mein Verstand hätte das nie zugelassen. Ich muss hier raus, in Ruhe nachdenken, meine Gefühle unter Kontrolle bringen. Hoffentlich merkte Maria nichts. Ich stellte meine Tasse ab.„Maria“, rutschte es mir heraus. Panisch stammelte ich: „Entschuldigung, Frau Schneider, ich glaube, es ist besser, wenn ich jetzt gehe!“Maria Schneider saß entspannt in ihrem Ledersessel, ihre Augen funkelten und sie schickte mir ein warmes Lächeln.„Aber nein, Holger, ich darf Sie doch so nennen?“ Erwartungsvoll blickte sie mich an und ich nickte diese bezaubernde Frau strahlend an, ich wollte ja gar nicht gehen. Ich würde gerne bis an mein Lebensende hier sitzen, der weichen Stimme Marias lauschen, in ihre warmen, braunen Augen blicken. Die Schmetterlinge in meinem Bauch setzten sich wieder in Bewegung. Ich konnte unmöglich jetzt gehen. Ich hatte Angst, ja, Angst, dieses zauberhafte Wesen könnte verstummen.„Bitte bleiben Sie. Es ist angenehm, gleich nach dem Einzug jemanden in der neuen Umgebung kennen zu lernen. Ich bin neu in der Stadt und vielleicht ergibt es sich, dass Sie mir meine neue Umgebung zeigen?“Sprich weiter, flehte ich innerlich.„Wie? Äh, ja, natürlich können wir einmal ins Kino gehen.“„Holger, Sie hören mir ja gar nicht zu. Wo sind Sie nur mit Ihren Gedanken?“ Maria lächelte mich an und die dunklen Augen strahlten wie zwei Sterne am Nachthimmel.„Entschuldigen Sie, Maria, ich habe Ihnen zugehört, ich könnte Ihnen immer zuhören. Ihre Stimme ist so …“, mir fehlten die Worte und vor Verlegenheit knetete ich meine Hände im Schoß, „… so weich, so angenehm.

Aber, ich muss jetzt gehen, ich habe Sie schon viel zu lange aufgehalten. Sie haben bestimmt noch viel zu tun.“Schweren Herzens erhob ich mich aus meinem Sessel. Maria schwebte vor mir in den Flur und reichte mir meinen Mantel und die Aktentasche. Unsere Hände berührten sich und ein Blitz zuckte durch meinen Körper. Hoffentlich merkt Maria nichts. Ich fühlte mich plötzlich leicht und beschwingt und brachte sogar ein kleines Lächeln heraus.„Sehen wir uns wieder?“, fragte ich leise beim Hinausgehen.„So oft Sie möchten, Holger, schließlich sind wir Nachbarn.“„Ja natürlich, wir sind Nachbarn.“Dieses eine Wort brachte mich hart und schmerzhaft auf den Boden der Tatsachen zurück. Keine Schmetterlinge tobten in meinem Bauch und die Höhenflüge waren vorbei. Die Luftakrobaten waren unsanft gelandet. Die Leichtigkeit wich der Schwere meines Alters. Wir sind nur Nachbarn, hatte Maria gesagt, und sie hatte Recht. Wir verabschiedeten uns an der Wohnungstür und ich hatte es plötzlich eilig, die Wohnung zu verlassen. Zu sehr schmerzte es. Wie ein begossener Pudel ging ich die Treppe Stufe für Stufe hinunter und zog an meiner Tür den Schlüssel aus der Manteltasche.„Schade!“Wie elektrisiert fuhr ich herum. Maria wollte gerade die Wohnungstür schließen. Sah ich Enttäuschung in ihrem Gesicht?„Maria!“Sie riss die Wohnungstür auf.„Ja?“„Ich habe Ihre Frage nicht gehört, aber, egal, was es ist, meine Antwort ist ja!“„Also, dann bis Sonntag. Ich hole Sie um 15 Uhr ab, Holger.“Mit einem Lächeln schloss sie leise die Wohnungstür.Ich hielt einen Moment inne und horchte in mich hinein. Die Schmetterlinge waren wieder da und starteten zu ungeahnten Höhenflügen. Mit leichtem Schritt betrat ich meine Wohnung. Plötzlich erschien sie mir muffig und eng.

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